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Individuell führen - warum echte Führung keine Schablonen kennt

1. Eine einfache, aber oft unbequeme Erkenntnis

Heute geht es um Platz 2 der Top-5-Erkenntnisse auf dem Weg zur echten Führungskraft. Die Notwendigkeit, individuell zu führen ist ein Learning, das viele Führungskräfte als echten Wendepunkt beschreiben.

Fast alle sagen rückblickend: Das habe ich unterschätzt. Und fast alle sagen: Ohne diese Einsicht hätte ich nie wirklich gut geführt.

2. Ein wirksamer Versuchsaufbau im Rahmen eines Leadership-Trainings

Ich erinnere mich noch gut an ein Führungsseminar mit professioneller externer Unterstützung und zahlreichen Rollenspielen: Bei einem davon sollten wir uns als Teamlead auf ein Mitarbeitergespräch vorbereiten und hatten klare Ziele, was wir darin besprechen und erreichen sollten. Es gab 30 Minuten Vorbereitungszeit und die Bitte, eine gute und klare Gesprächsstruktur zu verfolgen. Als es losging, saß einem dann die von der externen Beratung gespielte Mitarbeiterin gegenüber und brach nach drei Sätzen in Tränen aus (hervorragend geschauspielert).

Es ging darum zu sehen, wie man mit der Situation umging: Versuchte man, irgendwie sein Gespräch "durchzuziehen" oder schmiss man die Vorbereitung über den Haufen und ließ sich auf sein Gegenüber und ihre offensichtliche Notlage ein? Nur letzteres war sinnvoll. Und doch hielten einige an ihrem Plan für die Gesprächsführung fest - als sei Struktur wichtiger als der Mensch gegenüber.

Nicht nur für mich war dieses Rollenspiel ein Aha-Erlebnis.

3. Gleichbehandlung ist nicht automatisch gute Führung

Viele Führungskräfte ereilt die Erkenntnis, flexibel und individuell führen zu müssen, nicht im Training, sondern im echten Leben. Sie starten mit einem gut gemeinten Glaubenssatz: fair sein bedeute nicht nur, klare und verbindliche Regeln zu schaffen, sondern auch, alle im Team im Wesentlichen gleich zu behandeln. Das klingt richtig, ist aber oft der Beginn eines Missverständnisses.

Denn Menschen sind nicht gleich. Sie arbeiten unterschiedlich, denken unterschiedlich, brauchen Unterschiedliches und vor allem: sind unterschiedlich motiviert. Wer versucht, alle über denselben Führungsstil zu steuern, erlebt früher oder später Frust und zwar auf beiden Seiten.

Individuelle Führung bedeutet nicht, beliebig oder gar ungerecht zu sein. Sie bedeutet, Unterschiede wahrzunehmen und ernst zu nehmen, statt sie wegzumanagen.

4. Warum individuelle Führung so schwerfällt

Gerade am Anfang der eigenen Führungslaufbahn machen sich viele Gedanken, wie sie ihr Team steuern und leiten möchte und oft kommen sie zu schablonenhaften Ergebnissen: So verwende ich KPIs, so oft mache ich 1zu1- und so oft Teammeetings, so will ich meine Leute motivieren.

Quelle für dieses "System" ist dabei in der Regel die bisherige eigene Laufbahn: Was fand ich fair, was hat mich motiviert? Der Reflex ist naheliegend: So wie ich arbeite, sollten andere auch arbeiten. So wie ich Feedback brauche, brauchen es die anderen vermutlich auch.

Das funktioniert dann so lange, bis man das erste mal einem Teammitglied gegenübersitzt, das z. B. aus privaten Gründen völlig frustriert und am Ende ist. In so einem Fall hilft kein noch so ausgeklügeltes Anreizsystem, um der Person neue Motivation einzuhauchen. Das einzige, was jetzt hilft, ist, sich Zeit nehmen, zuhören, Hilfe anbieten, empathisch sein.

5. Individuell führen heißt, Beziehung vor Methode zu stellen

Individuelle Führung beginnt dort, wo man aufhört, Führung als Technik zu begreifen und anfängt, sie als Beziehung zu verstehen.

Es geht darum zu erkennen: Wer braucht mehr Struktur und wer mehr Freiheit? Wer will gefordert werden und wer benötigt in erster Linie Sicherheit? Wer wächst durch Feedback und wer durch Vertrauen?

Das ist anstrengender als ein einheitlicher Stil. Aber es ist wirksamer. Und es ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen nicht nur funktionieren, sondern sich entwickeln.

6. Mein Impuls

Führst du dein Team oder die einzelnen Menschen darin? Wo behandelst du alle gleich, obwohl sie Unterschiedliches brauchen? Und was würde passieren, wenn du Führung weniger als Rolle und mehr als Beziehung verstehst?

Individuell zu führen heißt nicht, unstrukturiert zu führen. Es heißt, genauer hinzuschauen, empathisch zu sein und sich und seine Persönlichkeit passend einzusetzen und genau darin liegt Stärke.

Über den Autor

Dr. Sebastian Tschentscher findet mit seiner Executive Search Boutique „Digital Minds“ die besten digitalen Köpfe für Ihr Unternehmen.

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