1. Das Verhältnis von Dingen zu Glück
In den letzten Monaten habe ich mich häufig mit dem Thema Frugalismus beschäftigt. Viele verwechseln diese Bewegung mit extremer Sparsamkeit oder Minimalismus. Tatsächlich geht es um etwas anderes: Im Kern steht eine sehr bewusste Frage danach, was wir in materieller Hinsicht wirklich brauchen, um glücklich zu sein.
Frugalisten stellen sich regelmäßig Fragen wie: Was kostet mich etwas - nicht nur finanziell, sondern auch an Zeit, Energie, Aufwand und Aufmerksamkeit? Und was bekomme ich dafür an Glück zurück?
Am Ende geht es also um ein Verhältnis: nämlich das Verhältnis zwischen dem Aufwand oder den Kosten für etwas und dem Glück, das es erzeugt. Es geht also um das Ding-zu-Glück-Verhältnis.
Ich finde diesen Gedanken großartig.
2. Ein persönliches Beispiel
Ein konkretes Beispiel aus meinem eigenen Leben: Ich habe eine Wohnung in Hamburg und eine Wohnung in Barcelona.
Die Hamburger Wohnung ist größer, komfortabler und deutlich teurer. Ein Neubau, viel Platz, gute Lage. Insgesamt hat sie ungefähr das Fünffache dessen gekostet, was die Wohnung in Barcelona gekostet hat. Die Wohnung in Barcelona war ursprünglich als Ferienwohnung gedacht. Sie ist viel kleiner, einfacher, weniger komfortabel.
Die interessante Erkenntnis nach längeren Aufenthalten dort: Ich bin dort nicht nur glücklicher, sondern vermisse auch absolut nichts.
Wenn man den Gedanken des Frugalismus anwendet, ergibt sich eine einfache Rechnung: Wenn etwas fünf Mal so viel kostet, müsste es einem eigentlich auch deutlich mehr geben, idealerweise müsste es mich um den Faktor fünf glücklicher machen.
Tut es aber nicht.
Das Verhältnis von Kosten zu Glück fällt also überraschend negativ für meinen Hamburger Wohnsitz aus, obwohl er objektiv "wertvoller" ist.
3. Mehr ist nicht automatisch besser
Dieses Prinzip lässt sich auf viele Dinge übertragen: auf Autos, Konsumgegenstände aller Art und sogar auch auf Karriereentscheidungen:
In vielen Organisationen gilt noch immer eine einfache Logik: mehr Verantwortung, mehr Budget, mehr Mitarbeitende, mehr Einfluss. Mehr ist besser.
Doch immer mehr Menschen stellen sich heute andere Fragen: Brauche ich wirklich ein großes Team? Macht mich ein größerer Verantwortungsbereich tatsächlich zufriedener? Oder zahle ich dafür einen Preis, der trotz des höheren Gehalts und der größeren Anerkennung in keinem guten Verhältnis zu dem steht, was ich an Glück zurückbekomme?
Das erinnert stark an die Logik des Frugalismus: Es geht nicht darum, möglichst wenig oder möglichst viel zu haben. Es geht darum, bewusst zu entscheiden, wofür sich der Aufwand wirklich lohnt.
4. Karriere als Verhältnis von Aufwand und Wirkung
Gerade im Austausch mit Kandidaten höre ich solche Überlegungen immer häufiger. Viele fragen sich nicht mehr nur: Wie groß ist die Rolle? Wie hoch ist das Gehalt?
Sondern auch: Was bedeutet diese Rolle für mein Leben? Wie viel Zeit, Energie und Verantwortung verlangt sie? Und steht das in einem guten Verhältnis zu dem, was sie mir zurückgibt?
Manche entscheiden sich deshalb bewusst gegen eine größere Rolle und für mehr persönliche Wirkung in einem kleineren Kontext.
Das ist kein Rückschritt. Es ist eine andere Form von Klarheit.
5. Mein Impuls
Welche Dinge in deinem Leben haben ein gutes Verhältnis von Aufwand zu Glück und welche nicht?
Und wenn du auf deine Karriere schaust: Welche Rolle bringt dir wirklich etwas zurück und welche kostet vor allem Energie?
Denn vielleicht geht es im Beruf genauso wie im Frugalismus nicht darum, möglichst viel zu haben. Sondern darum, bewusst zu wählen, was sich wirklich lohnt.