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Warum gute Entscheidungen oft an schlechter Kommunikation scheitern Dr. Sebastian Tschentscher Dr. Sebastian Tschentscher Experte für Personalberatung | Vermittlung von Führungskräften | Workshops und Coaching in den Bereichen Führung, Persönlichkeit, Unternehmskultur   June 9, 2026 The Executive Briefing #45 1. Entscheiden ist mehr als Recht haben Während meines Jurastudiums lernte ich früh einen Satz, der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist: „Recht haben und Recht bekommen sind zwei unterschiedliche Dinge.“ Gemeint war damit, dass ein Anspruch nicht nur bestehen muss. Man muss ihn auch vor Gericht durchsetzen können.  An diesen Gedanken musste ich in den vergangenen Jahren immer wieder denken, wenn es um Entscheidungen in Unternehmen ging. Natürlich sind Organisationen keine Gerichte. Und doch gibt es eine interessante Parallele: Auch die besten Argumente für eine bestimmte Entscheidung nützen wenig, wenn sie nicht durchdringen.  2. Gute Argumente gewinnen nicht automatisch In einem meiner ehemaligen Unternehmen wurde über die Zukunft eines Projekts diskutiert, das seit langer Zeit erhebliche Verluste verursachte. Einige Beteiligte im Management sprachen sich früh für eine Beendigung aus. Rückblickend hatten sie damit recht. Das Projekt wurde später tatsächlich eingestellt mit riesigen Verlusten, die man durch ein früheres Ende besser hätte begrenzen können.  Interessant war jedoch etwas anderes: Die Befürworter einer Einstellung gerieten kommunikativ schnell in die Defensive. Obwohl ihre Argumente überzeugend waren, galten sie als zu vorsichtig, zu risikoavers oder zu wenig unternehmerisch. Die Diskussion wurde also nicht allein über Fakten geführt. Sie wurde auch über Bilder, Zuschreibungen, Narrative und Haltungen geführt. Die, die auf dem richtigen Wege waren, scheiterten daran, dass sie nicht gut genug kommunizierten.  Das zeigte mir, dass richtige Entscheidungen nicht nur gute Argumente benötigen. Sie brauchen oft auch eine überzeugende Kommunikation insgesamt.  3. Nach der Entscheidung beginnt die eigentliche Arbeit Mindestens genauso wichtig ist jedoch, was nach einer Entscheidung passiert. Viele Führungskräfte betrachten eine Entscheidung als abgeschlossen, sobald sie getroffen wurde. Tatsächlich beginnt an diesem Punkt häufig erst die eigentliche Herausforderung.  Denn fast jede relevante Entscheidung produziert Gewinner und Verlierer. Wird ein Projekt gestoppt, betrifft das Menschen, die möglicherweise Monate oder sogar Jahre ihrer Arbeit investiert haben. Wird eine Strategie geändert, verlieren andere Ideen an Bedeutung. Werden Prioritäten verschoben, geraten bisherige Vorhaben ins Hintertreffen. Wer diese emotionale Dimension ignoriert, hinterlässt oft Frustration, Enttäuschung und Widerstand.  4. Menschen müssen ihr Gesicht wahren können Deshalb gehört zu guter Kommunikation auch, denjenigen gerecht zu werden, deren Vorschläge oder Projekte sich nicht durchgesetzt haben. Das bedeutet nicht, Entscheidungen zu relativieren. Aber es bedeutet, die geleistete Arbeit anzuerkennen.  Ein Beispiel aus einem ganz anderen Kontext: Gerade aktuell haben sich die Bürgerinnen und Bürger in dem Hamburger Volksentscheid mehrheitlich gegen eine Olympiabewerbung ausgesprochen. In der nun für den Senat schwierigen Kommunikation wird betont, dass viele der erarbeiteten Konzepte, Analysen und Planungen weiterhin genutzt werden könnten. Die Botschaft an alle, die sich engagiert haben: Die investierte Arbeit war nicht umsonst.  Menschen akzeptieren Entscheidungen deutlich leichter, wenn sie nicht das Gefühl haben, dass ihre Leistung entwertet wurde.  5. Gute Entscheidungen brauchen ein gutes Narrativ Schließlich stellt sich die Frage, wie eine getroffene Entscheidung insgesamt erklärt wird. Auch hier reicht die reine Sachlogik oft nicht aus. Wenn ein Unternehmen beispielsweise eine Produktlinie einstellt, kann die Kommunikation lauten: „Dieses Geschäftsfeld wird beendet. Es ist nicht profitabel.“  Das ist korrekt.  Man kann aber auch erklären, dass dadurch Ressourcen frei werden, um andere Bereiche auszubauen, Innovationen voranzutreiben oder die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Beides beschreibt dieselbe Entscheidung. Aber die zweite Version hilft Menschen dabei, den größeren Zusammenhang zu sehen und trotz einer möglichen Enttäuschung über die Entscheidung selbst, positiv in die Zukunft zu schauen.  Ein gutes Narrativ ist keine alternative zu einer ehrlichen Kommunikation, sondern eine Erweiterung. Sie hilft dabei, Entscheidungen einzuordnen und nachvollziehbar zu machen.  6. Mein Impuls Wie viel Aufmerksamkeit widmest du der Kommunikation einer Entscheidung? Geht es nur darum, die richtige Entscheidung zu treffen? Oder denkst du auch darüber nach, wie sie sich argumentativ erzielen lässt, wie die von ihr negativ Betroffenen ihr Gesicht wahren können und welches Narrativ ihre Akzeptanz für alle erhöht?  Denn viele Entscheidungen scheitern nicht an ihrer Qualität. Sie scheitern daran, dass sie nicht in eine gute Kommunikationsstrategie eingebunden wurden.

1. Decision-Making Is About More Than Being Right

During my law studies, I learned a phrase that has stayed with me ever since: “Having a right and getting a right are two different things.” The idea was simple: It is not enough to have a valid legal claim. You must also be able to enforce it in court.

I have often been reminded of this principle when observing decision-making in organizations. Of course, companies are not courts. Yet there is an interesting parallel: Even the strongest arguments in favor of a particular decision are of little value if they fail to gain traction.

2. Good Arguments Do Not Automatically Win

At one of my former companies, there was an ongoing debate about the future of a project that had been generating substantial losses for a long time.

Several members of management argued early on that the project should be terminated. Looking back, they were right. The project was eventually shut down, but only after losses had grown to a level that could have been significantly reduced through an earlier decision.

What I found particularly interesting was something else: Those advocating for termination quickly found themselves on the defensive. Although their arguments were convincing, they were perceived as overly cautious, too risk-averse, or insufficiently entrepreneurial. The discussion was therefore not driven by facts alone. It was also shaped by perceptions, labels, narratives, and attitudes. Ironically, those who were ultimately right failed to gain support because they did not communicate their position effectively enough.

This taught me that good decisions require more than strong arguments. They often require strong communication as well.

3. The Real Work Begins After the Decision

Equally important is what happens once a decision has been made. Many leaders view a decision as complete the moment it is taken. In reality, that is often when the real challenge begins. Almost every significant decision creates winners and losers. When a project is cancelled, it affects people who may have invested months or even years of work. When a strategy changes, other ideas lose importance. When priorities shift, previously favored initiatives move into the background.

Leaders who ignore this emotional dimension often leave behind frustration, disappointment, and resistance.

4. People Need a Way to Save Face

That is why good communication also means acknowledging those whose proposals, projects, or ideas did not prevail. This does not mean softening or questioning the decision itself. It means recognizing the effort that has been invested.

A recent example comes from a very different context. In Hamburg, citizens recently voted against hosting the Olympic Games. In the difficult communication that followed for the city government, great emphasis was placed on the fact that many of the concepts, analyses, and plans developed during the bid process could still be used in the future.

The message to everyone who had invested their time and energy was clear: Your work was not wasted. People are far more willing to accept decisions when they do not feel that their contribution has been dismissed or devalued.

5. Good Decisions Need a Good Narrative

Finally, there is the question of how a decision is explained. Here too, facts alone are often not enough. If a company decides to discontinue a product line, the communication could simply be: “This business segment is being discontinued. It is not profitable.”

That may be factually correct.

But the company could also explain that this decision frees up resources to expand other areas, accelerate innovation, or strengthen long-term competitiveness. Both statements describe the same decision. Yet the second version helps people understand the broader context and look toward the future with greater confidence, even if they disagree with the decision itself.

A good narrative is not an alternative to honest communication. It is an extension of it. It helps people make sense of decisions and understand why they were made.

6. My Impuls

How much attention do you devote to the communication of a decision? Do you focus only on making the right decision? Or do you also think about how to build support for it, how those negatively affected can save face, and what narrative might increase acceptance across the organization?

Because many decisions do not fail because they are wrong.

They fail because they were never embedded in a thoughtful communication strategy.

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Dr. Sebastian Tschentscher finds the best digital minds for your company with his executive search boutique "Digital Minds".

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