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Die Antwort, nach der nie wieder etwas kommt

1. Warum es letzte Woche keinen Newsletter gab

Seit fast einem Jahr erscheint dieser Newsletter jeden Dienstag. Irgendwann am Wochenende beginne ich darüber nachzudenken, worüber ich schreiben könnte. Spätestens am Montag steht ein fester Termin in meinem Kalender, an dem ich den Beitrag fertigstelle. Nach inzwischen fast fünfzig Ausgaben ist das nicht immer einfach: Viele Themen rund um Führung, Unternehmenskultur und Arbeitswelt habe ich bereits aufgegriffen. Wenn mir - wie in der vergangenen Woche - nichts einfällt, das ich relevant genug finde, lasse ich den Newsletter lieber einmal ausfallen. Frei nach einer leicht abgewandelten FDP-Logik: Lieber nichts schreiben als schlecht schreiben.

Tatsächlich haben sich inzwischen mehr als 1.100 Menschen für den Newsletter angemeldet. Einige haben vergangene Woche sogar nachgefragt, warum es am Dienstag keinen Beitrag gab. Das hat mich gefreut. Vor allem aber zeigt es mir, wie sehr mir dieses Format inzwischen selbst ans Herz gewachsen ist. Es ist ein wenig wie ein Tagebuch geworden. Jede Woche zwingt es mich dazu, über die vielen Gespräche und Begegnungen nachzudenken: Was ist mir aufgefallen? Welche Muster erkenne ich? Was bleibt hängen? Genau aus einer solchen Beobachtung ist auch der heutige Beitrag entstanden.

2. Fünf mögliche Antworten

Wenn ich eine Führungskraft für eine Position kontaktiere und grundsätzlich Interesse besteht, schicke ich anschließend ein ausführliches Exposé mit Informationen zur Rolle. Gleichzeitig biete ich an, alles weitere in einem persönlichen Gespräch zu erörtern. Das eröffnet dann auch die Möglichkeit, jenseits der konkreten Vakanz, sich kennenzulernen und zu schauen, wohin sich die Person generell entwickeln möchte.

Darauf gibt es genau fünf mögliche Reaktionen, die ich im folgenden in der Reihenfolge schildere, wie sie mir am liebsten sind:

Die erste und für mich angenehmste: Jemand bucht direkt einen Termin in meinem Kalender. Die zweite: Jemand sagt ab und erläutert kurz warum. Die dritte: Es kommen Rückfragen zu Rahmenbedingungen oder einzelnen Aspekten der Rolle. Das ist zwar legitim, aber leider ineffizient, weil schnell ein längerer Nachrichtenaustausch entsteht. In einem Gespräch kann man alles schneller und ohne Missverständnisse klären. Die vierte Möglichkeit: Es kommt gar keine Antwort. Und dann gibt es noch eine fünfte Variante, die ich heute näher beleuchten möchte.

3. Die höfliche Ankündigung

Sie lautet: „Vielen Dank. Ich schaue mir das in Ruhe an und melde mich.“

Auf den ersten Blick wirkt das wie eine sehr vernünftige Reaktion. Man antwortet sofort, nimmt sich aber gleichzeitig mehr Zeit für eine so wichtige Entscheidung und signalisiert Interesse. Eigentlich genau so, wie man es sich wünschen würde.

Das Interessante ist nur: Die Menschen, die mir das schreiben, melden sich nie wieder. Nicht häufig. Nicht meistens. Sondern ausnahmslos.

Ich beobachte dieses Muster seit mittlerweile drei Jahren. Es sind so viele Fälle zusammengekommen, dass ich längst nicht mehr an Zufall oder Einzelfälle glaube. In dem Moment, in dem ich diese Nachricht lese, weiß ich bereits, dass ich von dieser Person nichts mehr hören werde.

4. Die Entscheidung ist längst gefallen

Meine Erklärung dafür ist relativ einfach: Vermutlich entsteht beim ersten Überfliegen des Exposés keine echte Begeisterung. Vielleicht passt die Aufgabe nicht. Vielleicht ist die Branche nicht die Richtige. Vielleicht fühlt sich die Rolle einfach nicht attraktiv genug an.

Eigentlich ist die Entscheidung also bereits gefallen. Allerdings möchte man sich vielleicht die Möglichkeit offenhalten, später noch einmal darüber nachzudenken. Oder man möchte nicht direkt absagen, weil man nicht unhöflich sein möchte. Also verschiebt man die Entscheidung kommunikativ in die Zukunft.

Das Problem ist nur: Die innere Entscheidung wurde bereits getroffen. Und weil man schon geantwortet hat, fehlt später der Impuls, die Angelegenheit noch einmal abzuschließen und "final Bescheid zu geben". Die Sache verschwindet einfach aus dem Blickfeld.

5. Ein interessantes Muster

Interessant finde ich dabei weniger die fehlende Rückmeldung selbst. Spannender finde ich die Frage, ob sich hier ein allgemeiner Arbeitsstil zeigt.

Werden auch andere Themen so behandelt? Meldet sich diese Person im beruflichen Alltag ebenfalls schnell mit dem Hinweis zurück, dass sie sich später um etwas kümmern wird und tut es dann nicht? Entstehen dadurch offene Schleifen, die andere nachhalten müssen?

Mir zeigt so etwas, wie wichtig es ist, Dinge möglichst vollständig zu erledigen. Nicht nur auf eine Nachricht zu reagieren, sondern einen Vorgang wirklich abzuschließen. Denn gerade im Berufsleben entsteht Frustration oft nicht durch eine klare Absage, sondern durch Themen, die scheinbar noch offen sind, tatsächlich aber längst entschieden wurden. Oder einfach generell durch Unerledigtes.

6. Mein Impuls

Welche Antwort gibst du, wenn du eigentlich schon weißt, dass du etwas nicht machen möchtest? Sagst du es direkt oder hältst du dir lieber noch eine Hintertür offen?

Und wie oft wartest du selbst auf eine Rückmeldung, die wahrscheinlich nie mehr kommen wird?

Denn oft entsteht Verbindlichkeit nicht dadurch, dass wir schnell reagieren. Sondern dadurch, dass wir Dinge konsequent zu Ende bringen.

Über den Autor

Dr. Sebastian Tschentscher findet mit seiner Executive Search Boutique „Digital Minds“ die besten digitalen Köpfe für Ihr Unternehmen.

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